Die Philharmonischen Konzerte sind das Herzstück der Saison. Es geht um Fantasie und Leidenschaft, Geheimnisse und große Gefühle, um Klangfarben, die überraschen, und Geschichten, die berühren.
Skandalös
Emilie Mayer
Faust-Ouvertüre h-Moll op. 46
Arnold Schönberg
Kammersinfonie Nr. 1 op. 9b
(Fassung für großes Orchester)
Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60
Gabriel Venzago Chefdirigent
Man nannte sie den »weiblichen Beethoven«, doch Emilie Mayer war weit mehr als ein Schatten ihres Idols. In den Berliner Salons des 19. Jahr hunderts sorgte sie für einen Tabubruch, weil sie es wagte, bei gesellschaftlichen Anlässen ohne Hut zu erscheinen. Ihre Faust-Ouvertüre strotzt vor dramatischer Wucht. Fast wie ein Gender-Swap steht dazu Beethovens lichte Vierte Sinfonie, die Robert Schumann charmant als »griechisch schlanke Maid zwischen zwei nordischen Riesen« bezeichnete. Dazwischen Arnold Schönbergs Kammersinfonie op. 9b. Bei der Uraufführung 1907 gab es einen handfesten Skandal mit Gezische und Handgreiflichkeiten – heute gilt das Werk als visionärer Meilenstein, der die Grenzen der Tonalität mutig überschritten hat.